Jazztrompeter Till Brönner lies es richtig krachen
Kritik der Neuen Osnabrücker Zeitung vom 07.05.2012
Till Brönner in Osnabrück
Osnabrück. Zum 17. Mal findet das grenzüberschreitende Euregio Musikfestival statt. Das Auftaktkonzert bestritt am Wochenende der Trompeter Till Brönner in der Osnabrückhalle.
Im Jahr 2000 begrüßte Timo Maschmann, Leiter des Euregio Musikfestivals, schon einmal den Jazztrompeter und Sänger Till Brönner als Festivalgast. Damals spielte Brönner im Haus der Jugend und war noch relativ unbekannt. Mittlerweile ist der Mann Weltstar, hat über eine Million CDs verkauft und sich als Juror der Castingshow „X-Factor“ einen denkbar breiten Bekanntheitsgrad erarbeitet.
Der Europasaal der Osnabrückhalle ist daher gerade groß genug, um das zahlreich erschienene Publikum zu fassen, das zum Eröffnungskonzert der 17. Ausgabe des Festivals gekommen ist: „At the End of the Day“ heißt das Programm, mit dem Brönner und sein Quintett auf der Bühne stehen. Darin mutet der Musiker seinem Publikum allerdings nicht eben zu viel zu. Mit Jazz hat die perfekte Show, die seltsam unberührt lässt, jedenfalls nur wenig zu tun.
Eingängige Funk- und Rockgrooves von Drummer Wolfgang Haffner, der den typischen „Brönner-Sound“ – wie der Künstler ihn selbst nennt – wesentlich mitprägt, sorgen für angenehmes Easy Listening. Erst ganz zum Schluss in der allerletzten Nummer zeigen die Musiker, was sie wirklich können: Nahtlos an den von Brönner gesungenen Beatles-Song „And I Love Her“ schließt sich die Charlie-Parker-Nummer „Donna Lee“ an. Und das ist dann plötzlich Bebop vom Allerfeinsten. Vor allem der schwedische Saxofonist Magnus Lindgren dreht hier richtig auf: Davon hätte man gerne noch mehr gehört!
In den lateinamerikanisch gefärbten Stücken wechselt Lindgren zur Querflöte, mit der er auch das Konzert beginnt: Über einen Teppich aus Waberklängen von Tastenmann Jasper Soffers, der zwischen Flügel, Keyboard und Fender Rhodes wechselt, legt Lindgren hallige Laute wie von einer Indianerflöte, die er noch vokal mit seiner Stimme doppelt; Christian Von Kaphengst spinnt kontemplative Kontrabass-Linien, und Haffner grundiert mit Paukenwirbeln. Daraus schält sich ein Latin Groove hervor, und jetzt erst tritt Till Brönner selbst effektvoll auf. Der bis dahin verdunkelte Publikumsraum erhellt sich etwas, und Brönner bläst auf dem Flügelhorn ein funky angehauchtes Thema. Keine Frage: Brönner beherrscht sein Horn perfekt und steigt völlig mühelos auch in aberwitzigste Höhen auf. Der Sound der beiden Bläser wird zudem immer wieder mittels Effektgeräten verfremdet und ähnelt dann schon mal eher einer E-Gitarre.
Zu dem Jazzstandard „Once Upon a Summertime“ rezitiert Brönner den poetischen Text, um in die adäquate Stimmung zu versetzen. Das kontrastreiche Programm ist exakt durcharrangiert. Wirkungsvoll etwa ist das unbegleitete Schlagzeugsolo von Wolfgang Haffner platziert, wofür der Rest der Band die Bühne verlässt. Alle fünf Herren kommen in schwarzen Anzügen mit Krawatte smart daher, nur Brönner trägt das Hemd offen und versprüht jede Menge Sex-Appeal. Nach der Pause wird Brönners Moderation immer witziger, etwa wenn er sämtliche Klischees über Rio karikiert und demonstriert, dass das Geräusch einer typisch brasilianischen Rassel „nicht wirklich ein deutsches Geräusch“ sei.
Beim Euregio Festival sind noch bis zum 3. Juni Konzerte in Osnabrück, Emsdetten, Tecklenburg, Bad Iburg, Sassenberg, Hagen a.T.W. und Oldenzaal zu hören.
Aktuell
Euregio Musikfestival
Freitag,
18. Mai
Kammermusik zum Bennofest mit Violine, Horn und Klavier
20.00 Uhr
Schloss Bad Iburg
Donnerstag,
24. Mai
Soirée im Schloss mit Violine und Klavier
19.30 Uhr
Schloss Harkotten,
Sassenberg
Aktuell
Wasserschlosskonzerte
Samstag,
26. Mai
Morris Minor - Irish Traditional Music
Open Air
18.00 Uhr
Wasserschloss Haus Marck,
Tecklenburg
Freitag,
29. Juni
Schlagzeugduo "Stick Fire"
20.00 Uhr
Wasserschloss Haus Marck,
Tecklenburg
